600-Jahr-Feier

1409 bis 2009 - 600 Jahre Rehringhausen

Man schreibt das Jahr 1409. Der Ritter Coird von der Horst und seine Frau Paze von Plettenberg verkaufen am 31.01. des Jahres ihren Hof zu Rehringhausen an die Äbtissin des Klosters zu Drolshagen, Gertrude van Hamme. Dieses ist die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Ortes Rehringhausen. Auf den Tag genau 600 Jahre später, am Samstag, 31.01.2009, lud die Dorfgemeinschaft Rehringhausen zu einem geselligen Abend mit buntem Bühnenprogramm in die Stadthalle Olpe unter dem Motto „Ein Dorf im Wandel der Jahrhunderte“ ein.

Der Arbeitskreises „600 Jahre Rehringhausen“ um Ortsvorsteher Bernd Schnüttgen hatte in den vergangenen Monaten für Jung und Alt ein abwechselungsreiches Festprogramm erarbeitet bei dem der Wandel des Dorfes in den vergangenen sechs Jahrhunderten anhand zweier Bühnenstücke und dreier geschichtlicher Abschnitte vom einstigen Bauerndorf zum jetzigen Bundesgolddorf aufgezeigt wurde. Ein eigens geschriebenes Bühnenstück anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung, war der Auftakt des großen Festprogramm an diesem Abend. Bei der geschichtlichen Betrachtung wurde dem Märtyrer und einstigen Missionar Pater Franz-Xaver Nies im Rahmen eines eigens geschriebenen Bühnestückes eine besondere Rolle zugeteilt, der nachweislich Weltgeschichte mit geschrieben hat. In der Nacht zum Allerheiligentage 1897 wurde das Haus der Steyler Missionare in Südschantung/ China, von dem Geheimbund „Große Messer“ überfallen und mit seinem Mitbruder Pater Henle brutal ermordet. Nach der Ermordung der katholischen Missionare, gab Kaiser Wilhelm den Befehl zur sofortigen Besetzung der Kiautschou-Bucht.

Die Kinder und Jugendliche stellten an diesem Abend mit verschiedenen Tanzdarbietungen unter Beweis, dass Rehringhausen ein lebendiges Dorf mit Zukunft ist. Durch das Programm führten Monika und Susanne Schulte-Brinker sowie Rüdiger Schnüttgen, die sich – passend zu den jeweiligen geschichtlichen Abschnitten – in zeitgenössischer Tracht präsentierten. Und natürlich durfte an diesem Abend auch ein ordentlicher Dorfklatsch in Plattdeutscher Sprache im Programm nicht fehlen. Ein Gedenken der Verstorbenen und Gefallenen der vergangenen Kriege durfte an diesem festlichen Abend selbstverständlich auch nicht fehlen. Untermalt wurde der Abend von Konzertstücken des Musik- und Gesangvereins Rehringhausen. Im Anschluss an das Festprogramm spielt die Big Band des Musikvereins Rehringhausen zum Tanz bis spät in die Nacht auf. Besonders freute sich die Dorfgemeinschaft Rehringhausen über den erneuten Besuch der Präsidentin des Landtages Nordrhein Westfalen, Regina van Dinther (CDU). Bereits im Januar 2008 durften die Rehringhauser sie als besonderen Gast begrüßen. Nach dem Besuch des Städtischen Gymnasium in Olpe ging es für Frau van Dinther gemeinsam mit Olpes Bürgermeister Horst Müller nach Rehringhausen, um sich in das Goldene Buch der Kreisstadt Olpe einzutragen.

Bürgermeister Horst Müller erklärte in seiner Ansprache, dass „wenn sich ein Dorf allen Widerständen widersetzen kann, dann ist das Rehringhausen. Ohm bedeutet in der Physik nicht umsonst „Widerstand“ – bei der Häufung dieses Namens in diesem, eurem Dorf mache ich mir keine Sorgen“. Landrat Frank Beckehoff betonte indes „wir feiern nicht die Straßen und Wege und Wasserleitungen, sondern die Menschen. Die Vorfahren der Rehrkuser haben das geschaffen, was heute Heimat im Allgemeinen, Rehringhausen im Besonderen ausmacht.“ Dechant Friedhelm Rüsche blickte in seinem Grußwort auf die Entstehung der Pfarrei und die zahlreichen Geistlichen des Dorfes zurück, die Geschichte geschrieben haben. So etwa die Gebrüder Hammeke, die wie viele andere Rehringhauser nach Amerika auswanderten, aber den Kontakt in die Heimat nie abbrachen und aus der Ferne dafür sorgten, dass Rehringhausen Pfarrvikarie werden konnte. „Rehringhausen ist ein modernes Dorf, in dem heftig diskutiert wird und Lösungen gefunden werden.“ Auch heute bringe sich die kleinste selbstständige Gemeinde mit eigener Vermögensverwaltung im ganzen Erzbistum mit eigenem Profil in den Pastoralverbund Olpebachtäler ein.

An Fronleichnam, 11. Juni 2009 startete die Dorfgemeinschaft dann mit den Feierlichkeiten in die nächste Runde. Das Bundesgolddorf beging seinen Geburtstag mit einem großen Dorffest auf dem Dorfplatz. Auch dieser Tag war mit einem besonderen Datum verbunden: 150 Jahre zuvor wurde der Märtyrer Pater Franz-Xaver Nies in Rehringhausen geboren!

Im Rahmen des jährlich stattfindenden Verkehrsvereinkonzertes spielten am frühen Nachmittag der Musikverein Rehringhausen zum Konzert und mit Unterhaltungsmusik auf. Das neu gegründete „Perspektivorchester“ des Musikvereins hatte seinen ersten Auftritt und meisterte die Darbietungen mit Bravour. Unterstützt wurden sie von den Darbietungen der Männergesangvereine aus Rehringhausen und Stachelau. Der DRK Kindergarten „Max und Moritz“ aus Altenkleusheim führte die Geschichte vom „Regenbogenfisch“ auf. Mittelalterliche Verkaufstände gaben einen Einblick in die Warenwirtschaft der vergangenen Jahrhunderte. Für die kleinen Gäste stand ein Luftballon-Wettbewerb, Kinderschminken, Ballonmodellieren und eine kostenlose Kindereisenbahn auf dem Programm. Jugendliche und Junggebliebene konnten ihr Geschick beim Bull Riding messen. Für viel Spaß sorgte aber auch der Dörferwettkampf „Schlag die Rehringhauser“. Bereits am Vormittag lud die St. Nikolausgemeinde Rehringhausen um 09:00 Uhr alle zur jährlichen Fronleichnamsprozession ein. Der Prozessionsweg musste wegen der Feierlichkeiten rund um den Dorfplatz in diesem Jahr etwas verändert werden.

Auszüge aus dem Bericht „Jahrbuch der Stadt Olpe 2009“ von Rüdiger Schnüttgen